Rechtschreibung in der Grundschule: Was der IQB-Bildungstrend über euer Bundesland zeigt
Wie gut schreiben Kinder am Ende der Grundschule? Darauf gibt der IQB-Bildungstrend eine Antwort – eine Vergleichsstudie des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen. In allen Bundesländern bearbeitet dafür eine repräsentative Stichprobe von Viertklässlern Aufgaben in Lesen, Zuhören, Rechtschreibung und Mathematik; 2021 waren es 26.844 Kinder an 1.464 Schulen. Im Durchgang 2021 schnitt die Rechtschreibung am schwächsten ab, und die Bundesländer unterschieden sich deutlich.
Rechtschreibung ist der schwächste Bereich#
Das IQB ordnet die Ergebnisse fünf Kompetenzstufen zu. Daraus ergeben sich vier Standards:
- Mindeststandard: das Minimum, das alle Kinder am Ende der 4. Klasse können sollten.
- Regelstandard: das, was die Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz im Durchschnitt erwarten.
- Regelstandard plus: etwas mehr als erwartet.
- Optimalstandard: sehr gute Leistungen, die die Erwartungen deutlich übertreffen.
In keinem Bereich verfehlten so viele Kinder den Mindeststandard wie in der Rechtschreibung:
Mindeststandard verfehlt, Ende Klasse 4 (Deutschland, 2021)
- Rechtschreibung30,4 %
- Mathematik21,8 %
- Lesen18,8 %
- Zuhören18,3 %
Fast jedes dritte Kind verfehlte in der Rechtschreibung also den Mindeststandard. Den Regelstandard erreichten oder übertrafen 44,4 %:
Rechtschreibung Ende Klasse 4: wo die Kinder stehen (Deutschland, 2021)
- Regelstandard erreicht oder übertroffen44,4 %
- Mindeststandard erreicht, Regelstandard nicht25,2 %
- Mindeststandard verfehlt30,4 %
Die Karte: große Unterschiede zwischen den Ländern#
Wie viele Kinder den Mindeststandard verfehlen, hängt stark vom Bundesland ab. In Bayern war es jedes fünfte Kind, in Berlin und Brandenburg knapp die Hälfte:
Mindeststandard in Rechtschreibung verfehlt (Ende Klasse 4, 2021)
Anteil der Kinder
- 20,5 % – 25,6 %
- 25,6 % – 30,7 %
- 30,7 % – 35,9 %
- 35,9 % – 41 %
- 41 % – 46,1 %
- keine Daten
- Baden-Württemberg: 28 %
- Bayern: 20,5 %
- Berlin: 46,1 %
- Brandenburg: 45,7 %
- Bremen: 42 %
- Hamburg: 30,5 %
- Hessen: 29,1 %
- Mecklenburg-Vorpommern: keine Daten
- Niedersachsen: 36,7 %
- Nordrhein-Westfalen: 32,6 %
- Rheinland-Pfalz: 27,8 %
- Saarland: 24 %
- Sachsen: 26,3 %
- Sachsen-Anhalt: 30 %
- Schleswig-Holstein: 29,7 %
- Thüringen: 31 %
Mindeststandard in Rechtschreibung verfehlt, nach Land (2021)
Sicher vom Bundeswert verschieden sind laut IQB nur Bayern, Saarland und Sachsen (weniger) sowie Berlin, Brandenburg, Bremen und Niedersachsen (mehr). Die übrigen Länder liegen im Rahmen der Messgenauigkeit beim Bundeswert.
- Bayern20,5 %
- Saarland24 %
- Sachsen26,3 %
- Rheinland-Pfalz27,8 %
- Baden-Württemberg28 %
- Hessen29,1 %
- Schleswig-Holstein29,7 %
- Sachsen-Anhalt30 %
- Deutschland30,4 %
- Hamburg30,5 %
- Thüringen31 %
- Nordrhein-Westfalen32,6 %
- Niedersachsen36,7 %
- Bremen42 %
- Brandenburg45,7 %
- Berlin46,1 %
Für Mecklenburg-Vorpommern gibt es keine Landeswerte: Wegen pandemiebedingter Schulschließungen konnte dort nur ein Fünftel der vorgesehenen Schulen getestet werden. Diese Daten fließen aber in den Wert für Deutschland ein.
Seit 2016: in allen Ländern weniger Kinder im Regelstandard#
Vergleichbare Länderergebnisse zur Rechtschreibung gibt es seit 2016. Für den Vergleich nennt das IQB den Anteil der Kinder, die den Regelstandard erreichen oder übertreffen – hier ist ein Rückgang also schlecht.
Zwischen 2016 und 2021 sank dieser Anteil in Deutschland um 9,5 Prozentpunkte. (Ein Beispiel für Prozentpunkte: Sinkt ein Anteil von 50 % auf 40 %, sind das 10 Prozentpunkte weniger.) Das IQB schätzt, dass dieser Rückgang etwa einem Viertel Schuljahr Lernzeit entspricht. Am stärksten fiel der Anteil in Brandenburg (−20,5 Prozentpunkte). Gesunken ist er in allen Ländern; in Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz ist die Veränderung laut IQB aber statistisch nicht gesichert:
Anteil mit Regelstandard in Rechtschreibung: Veränderung 2016 → 2021
In Prozentpunkten. * = laut IQB statistisch nicht gesichert (der Unterschied kann auch zufällig sein). Für Mecklenburg-Vorpommern gibt es keine Landeswerte.
- Brandenburg−20,5
- Schleswig-Holstein−13,8
- Saarland−12,2
- Nordrhein-Westfalen−11,1
- Hessen−10,8
- Bayern−9,6
- Berlin−9,5
- Deutschland−9,5
- Sachsen−8,7
- Baden-Württemberg−8,6
- Thüringen−7
- Niedersachsen*−6,7
- Sachsen-Anhalt−6,5
- Rheinland-Pfalz*−3,9
- Hamburg*−1,7
- Bremen*−0,7
Wie aktuell sind die Zahlen?#
Die Werte stammen aus dem Bildungstrend 2021, der im Oktober 2022 vorgestellt wurde. Das ist der aktuellste Vergleich der Länder für die Grundschule; der nächste ist der IQB-Bildungstrend 2027. Sobald neue Zahlen erscheinen, aktualisieren wir diesen Beitrag. Was die Länder bei den Vergleichsarbeiten in Klasse 3 testen, steht auf unserer Seite zu VERA 3.
Was heißt das für euer Kind?#
Die Zahlen beschreiben ganze Länder – über ein einzelnes Kind sagen sie nichts. Sie zeigen aber, warum Rechtschreibung in der Grundschule so viel Raum bekommt und warum regelmäßiges Üben sinnvoll ist. Am meisten hilft keine große Lernaktion, sondern Routine:
- Kurz und regelmäßig: Übt lieber täglich zehn Minuten als eine Stunde am Wochenende. Wie das konkret aussieht, zeigen unsere 10 Methoden zum Lernwörter-Üben.
- Hören und schreiben: Mit einem Hördiktat aus den Lernwörtern der Woche übt euer Kind selbstständig – ohne dass jemand vorlesen muss.
- Den Grundwortschatz eures Landes kennen: Jedes Land legt fest, welche Wörter Grundschulkinder sicher schreiben sollen. Hier findet ihr die Liste eures Landes: Baden-Württemberg · Bayern · Berlin · Brandenburg · Bremen · Hamburg · Hessen · Niedersachsen · Nordrhein-Westfalen · Rheinland-Pfalz · Saarland · Sachsen · Sachsen-Anhalt · Schleswig-Holstein · Thüringen
Häufig gestellte Fragen
Quellenverzeichnis
- IQB-Bildungstrend 2021 – Präsentation zur Pressekonferenz vom 17.10.2022 — Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB)
- IQB-Bildungstrend 2021 – Berichtsband (Stanat u. a., Hrsg., 2022, Waxmann), Abb. 3.11 und 11.4 — Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB)